Das schwarze Bibib

Henne (Hahn) oder Ei, Abraham oder das schwarze Bibib – das ist hier die Frage. Ich hatte hier im Blog Abraham als den Urvater all meiner Hähne und quasi erstes Stück der Sammlung vorgestellt. Doch beim Kramen in einem Schrank auf dem Dachboden kam mir kürzlich ein Kartenspiel aus meiner Kindheit in die Finger. Und damit die Frage, ob der Grundstein für meine Sammlung nicht schon in frühester Kindheit und damit Jahre vor der Entstehung Abrahams gelegt wurde.

Bei besagtem Kartenspiel handelt es sich um das bekannte Schwarzer-Peter-Spiel. Bei den meisten Kartenspielen ist der Schwarze Peter ein schwarzer Kater, ein dunkelhäutiger Mensch oder ein Kaminkehrer. In meinem Spiel aber ist es ein schwarzes Küken. In der Sprache meiner Kindheit „das schwarze Bibib“ genannt. Wenngleich das Geschlecht des Kükens nie thematisiert wurde, bin ich mir rückblickend sicher, dass es sich um ein männliches Küken handelt. Denn für einen weiblichen Schwarzen Peter war Ende der 1960er Jahre die Zeit noch nicht reif.

Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen ist, ist die Karte mit dem schwarzen Küken intensiv bespielt. Kein Wunder, denn das süße Küken hatte es mir von Anfang an angetan. Mir war es völlig egal, dass derjenige verloren hatte, der zuletzt nur noch den Schwarzen Peter auf der Hand hatte. Ich wollte das schwarze Bibib haben, koste es, was es wolle. Schon bald war eine Ecke so stark geknickt, dass die Karte aus den Handkarten meiner Mitspieler herausstach. Und so riss ich sie triumphierend an mich, wenn ich zum Ziehen an der Reihe war – oder des Wartens überdrüssig. Alle Versuche, mir die Regeln des Spiels näher zu bringen, blieben erfolglos: Ich musste das schwarze Bibib haben.

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Der Hahn auf dem Stephansdom

Zu einem richtigen Dom gehört ein Hahn und eine schöne Geschichte – finde ich jedenfalls. Als ich kürzlich in Wien ein Konzert mit John Williams und Anne-Sophie Mutter besuchte, habe ich mir daher natürlich auch den Hahn auf dem Stephansdom angeschaut. Anders als beim Kölner Dom hat der Hahn nichts mit dem Dombau zu tun, sondern mit einer Liebesgeschichte. 

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Kaiser Maximilian I. beauftragte Ritter Kaspar von Schlezer, dem Sultan von Konstantinopel eine geheime Nachricht zu überbringen. Der Ritter ließ seine junge Frau in Wien zurück und reiste an den Bosporus. Auf dem Heimweg wurde er von Seeräubern überfallen und gelangte in Gefangenschaft. Zuhause wartete seine Frau fünf Jahre vergeblich auf ihn. Schließlich wurde der Ritter für tot erklärt und die vermeintliche Witwe wollte nun seinem besten Freund das Ja-Wort geben. In der Nacht vor der Hochzeit träumte der Ritter von der bevorstehenden Vermählung und dass er diese noch verhindern könne. Schweißgebadet erwachte er und rief: „Ich muss morgen in Wien sein. Und wenn es meine Seele kostet.“ Im nächsten Moment flog der Teufel auf einem Hahn in sein Zimmer. Er bot dem Ritter an, ihn rechtzeitig auf dem Rücken des Hahns nach Wien zu bringen. Als Gegenleistung forderte er die Seele des Ritters. In seiner Verzweiflung ging der Ritter den Pakt ein. Zur Bedingung machte er allerdings, dass er bis zur Ankunft in Wien schlafe. Der Teufel versetzte den Ritter in einen tiefen Schlaf und sie ließen sich vom Hahn Richtung Wien fliegen. Im Morgengrauen waren sie bereits im Anflug auf den Stephansdom. Doch als der Hahn die ersten Sonnenstrahlen erspähte, stieß er einen lauten Schrei aus. Der Ritter erwachte und damit war der Pakt mit dem Teufel gebrochen. Wütend schleuderte der Teufel Ritter und Hahn in die Donau, damit sie dort ertränken. Es waren aber gleich Fischer zur Stelle, die die beiden retteten und ans Ufer brachten. Gerade noch rechtzeitig kam der Ritter in den Stephansdom, wo Frau und Freund bereits vor dem Altar standen, und konnte durch sein Erscheinen die Vermählung verhindern. Als Dank stiftete er einen eisernen Hahn und ließ ihn auf dem Dach des Stephansdoms anbringen.

Etwas ausführlicher ist die Geschichte hier oder hier nachzulesen.

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Der Hahn in Nosferatu

Der Hahn spielt in Friedrich Wilhelm Murnaus Filmklassiker „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ von 1922 eine entscheidende Rolle. Es handelt sich um die unlizensierte Verfilmung des Bram Stoker Romans Dracula mit Max Schreck in der Hauptrolle. Aus Graf Dracula wurde in dem Film kurzerhand Graf Orlok. Der Stummfilm gilt heute als Klassiker des Genres und war wegweisend für zahlreiche Horrorfilme. Noch heute gilt Nosferatu als einer der wichtigsten Vampir-Filme überhaupt. Murnau schuf durch Lichtsetzung, visuelle Effekte, Bildkomposition einen symbolreichen Film, der im Gegensatz zu seiner expressionistischen Konkurrenz wie Caligari oder Golem mit eindrucksvollen Naturaufnahmen stand.

Der Hahn kündigt im Film den Sonnenaufgang an und wir Vampirfreunde wissen: Sonnenlicht ist tödlich für den Blutsauger. Im Film opfert sich die weibliche Hauptrolle Ellen in einem sexuellen Akt und gibt sich Nosferatu hin, sodass dieser den Hahnenschrei überhört und zu Staub zerfällt.

Gastbeitrag von Matthias J. Lange, redaktion42

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Hindelanger Keramik

Ein Hahn aus der Manufaktur Hindelanger Keramik.

Aus dem wunderbaren Ostrachtal kommt dieser farbenfrohe Keramikhahn. Er ist ein Produkt der Hindelanger Keramik. Auf dem Sockel trägt er den Aufkleber Hindelanger Keramik Handarbeit und ist außerdem unten mit dem Markenzeichen der Manufaktur, einem Tannenbaum, gekennzeichnet. Er dürfte aus den 1960er Jahren stammen und ist ein Mitbringsel von einem Aufenthalt im fantastischen Hotel Prinz-Luitpold-Bad – in dem es übrigens auch eine ganze Reihe von Hähnen zu bestaunen gibt. Aber davon ein andermal.

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Der aluminierte Hahn

Aluminierter Hahn von Franz Sickert.

Einen außergewöhnlichen Neuzugang in meiner Sammlung stellt der aluminierte Hahn aus dem Atelier Franz Sickert in Hammelburg dar. Der Hahn ist 17,5 cm hoch und misst von Brust bis Schwanzfeder 15 cm. Über den verarbeiteten Rohling kann ich nur spekulieren, nach Gewicht und Klang tippe ich auf eine Hohlfigur aus Gips. Der Künstler hat diese mit Alufolie veredelt und patiniert. In der Detailaufnahme sind die einzelnen Folienstücke der obersten Schicht gut zu erkennen.

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Der Goldene Hahn von Münster

Der Goldene Hahn im Friedenssaal des Rathauses in Münster.

Der Goldene Hahn im Friedenssaal des Rathauses in Münster.

Münster in Westfalen hat viele Sehenswürdigkeiten. Doch für mich als Sammlerin von Hähnen gibt es nur eine wichtige: Den Goldenen Hahn, der in einer Vitrine im Friedenssaal des historischen Rathauses ausgestellt ist.

Bei dem Hahn handelt es sich um ein vergoldetes Trinkgefäß aus getriebenem Silber. Gefertigt wurde es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Nürnberg. Der Überlieferung nach wurde es von einem Ratsherrn gestiftet, weil bei einer Belagerung der Stadt der letzte Hahn seiner Köpfung entkam und auf der Stadtmauer spazieren ging. Die Belagerung sei daraufhin abgebrochen worden, weil die Belagerer keine Hoffnung mehr hatten, die Stadtbewohner auszuhungern.

Im Hahn befindet sich ein verborgener Weinpokal. Um diesen zu befüllen, wird der Kopf des Hahnes abgenommen. Er fasst ungefähr eine Flasche Wein. Jeder neue Bürgermeister in Münster muss den gefüllten Hahn in einem Zug auf das Wohl der Stadt leeren. Das ist kein leichtes Unterfangen, weil das Gefäß erst leer ist, wenn die beweglichen Flügel des Hahns umschlagen.

Besonders bedeutende Gäste der Stadt dürfen ebenfalls aus dem Goldenen Hahn trinken. Diese Ehre wurde zum Beispiel Kanzlerin Angela Merkel, Schriftsteller Günter Grass, Boxer Wladimir Klitschko und dem Dalai Lama zuteil.

Als Betreiberin des Hahnologie-Blogs falle ich bislang leider noch nicht in die Kategorie der VIPs und durfte den Hahn nur in der Vitrine betrachten. Die Sammlerin in mir hätte gerne eine Miniaturnachbildung des Hahns mit nach Hause genommen. Doch weder in den einschlägigen Souvenirgeschäften noch bei einem der besten Goldschmiede und Juweliere der Stadt ließ sich etwas derartiges auftreiben. Zu meinem Bedauern war nicht einmal ein Poster oder eine Postkarte mit dem wunderschönen Stück zu bekommen.

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Der Hahn in der Bibel

KraehenderHahn

Eine schöne Verkörperung des Hahnenschreis ist dieser Hahn aus Eisenguss

In der Bibel kommt der Hahn ganz selten vor. Doch in der Karfreitagsliturgie hat er eine tragende Rolle. Am Ölberg beteuert Petrus seine Standhaftigkeit und Treue zu Jesus. Dieser erwidert ihm: „Noch heute Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ (Mk 14,30) In der Passion am Karfreitag bekommen wir dann zu hören: „Als Petrus unten im Hof war, kam eine von den Mägden des Hohenpriesters. Sie sah, wie Petrus sich wärmte, blickte ihn an und sagte: Auch du warst mit diesem Jesus aus Nazaret zusammen. Doch er leugnete es und sagte: Ich weiß nicht und verstehe nicht, wovon du redest. Dann ging er in den Vorhof hinaus. Als die Magd ihn dort bemerkte, sagte sie zu denen, die dabeistanden, noch einmal: Der gehört zu ihnen. Er aber leugnete es wieder ab. Wenig später sagten die Leute, die dort standen, von neuem zu Petrus: Du gehörst wirklich zu ihnen; du bist doch auch ein Galiläer. Da fing er an zu fluchen und schwor: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet. Gleich darauf krähte der Hahn zum zweiten Mal, und Petrus erinnerte sich, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er begann zu weinen.“ (Mk 14,66-72) Der Hahn kündet mit seinem Krähen also nicht nur den neuen Tag an, sondern führt Petrus sein Versagen vor Augen.

Der oben gezeigte krähende Hahn stammt aus meiner Sammlung. Es ist ein knapp 12,5 cm großer Eisenguss. Auffallend sind der weit aufgerissene Schnabel und der stark gespreizte Kamm, die das Augenmerk auf den Kopf des Tieres lenken. Körper und Schwanzfedern sind demgegenüber stark zurückgenommen und in der Relation zu klein. Für mich ist er damit die ideale Verkörperung des Hahnenschreis.

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